Gütlbauer Bio PilzeMenü
Zur StartseiteGütlbauer Bio Pilze

Geregeltes Klima

Ein Keller, der auf ein Zehntelgrad eingestellt ist.

Die meisten Pilzzuchten stehen in Industriehallen mit gedämmten Wänden und Klimageräten an der Decke. Diese hier steht in einem Mostkeller, der schon vor der Pilzzucht da war. Ein Gewölbe im Erdreich bringt von sich aus mit, was Bio-Pilze brauchen: gleichmäßige Kühle und hohe Luftfeuchte, Sommer wie Winter.

Der Vorteil ist nicht Romantik, sondern Rechnung. Was der Raum von selbst hält, muss keine Maschine erzeugen. Die Technik im Haus hat deshalb eine andere Aufgabe als in einer Halle: Sie hält, was da ist, statt es herzustellen — und sie sorgt für den ständigen Luftwechsel, den Bio-Pilze zwingend brauchen.

Wie diese Luft in den Keller kommt, steht weiter unten Station für Station. Temperatur, Luftfeuchte und Kohlendioxid werden dabei laufend gemessen und nachgeregelt.

Temperatur
15,0°C
Luftfeuchte
89% rF
Kohlendioxid
500–1200ppm

Sollwerte, nach denen die Kammern gefahren werden — kein Messwert von gerade eben

Der Weg der Luft

Bio-Pilze brauchen ständig frische Luft — mehr als die meisten Kulturen, weil sie beim Wachsen Kohlendioxid abgeben. Die Luft, die im Keller ankommt, hat deshalb schon einen Weg hinter sich. Er beginnt draußen und endet draußen.

1. Ansaugpunkt

Die Anlage holt sich rund um die Uhr Außenluft — weit weg vom Gebäude, nicht an der Hauswand.

Womit
Ansaugpunkt im Freien, ein Stück vom Haus entfernt
Warum
Bio-Pilze verbrauchen Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab. Ohne ständigen Austausch steigt es im Raum, und die Fruchtkörper werden lang und dünn statt fest. Der Abstand zum Haus hält Abgase und Staub aus dem Hofbetrieb draußen.

2. Rohre im Erdreich

Die Luft läuft durch zehn Rohre im Boden und nimmt dabei die Temperatur an, die dort ohnehin herrscht: im Sommer kühler als draußen, im Winter wärmer.

Womit
Passiver Erdwärmetauscher — zehn Rohre à 22 Meter, rund 90 mm Durchmesser, zusammen 220 Meter im Boden. Kein Gerät, kein Strom.
Warum
Die einzige Stufe im ganzen Luftweg, die nichts verbraucht. Was hier schon geschieht, muss die Kühlung im Sommer und die Heizung im Winter nicht mehr leisten.

3. Filter

Blätter, Staub und Sporen aus der Umgebung bleiben hängen, bevor die Luft in die Technik kommt.

Womit
Grobfilter-Gitter und G4-Filtermatte in eigener Halterung
Warum
Ein grober Filter zuerst schützt alles, was danach kommt — vor allem den Feinfilter, der sonst in Wochen statt in Monaten zusetzt.

4. Kühlung und Heizung

Hier bekommt die Luft ihre Temperatur: im Sommer über das Kühlregister, im Winter über das Heizregister.

Womit
Kühlaggregat mit zwei Kühlregistern und Umwälzpumpe; Heizregister mit Magnetventilen, gespeist vom Hackgutkessel über einen Wärmetauscher
Warum
Geheizt und gekühlt wird die Luft, nicht der Raum. Die Wärme kommt aus derselben Heizung, die auch das Haus versorgt.

5. Feinfilter

Erst jetzt, kurz vor der Kammer, kommt der feine Filter: Er hält auch das zurück, was mit freiem Auge nicht zu sehen ist.

Womit
Feinfilter (HEPA), dazu eine Entkeimung mit UV-Licht
Warum
Ein Pilzblock ist ein idealer Nährboden — auch für alles, was nicht hineingehört. Ein fremder Schimmel im Raum kostet eine ganze Charge. Der Feinfilter sitzt bewusst hinter Kühlung und Heizung, damit er möglichst sauber bleibt.

6. Befeuchtung

Zuletzt wird die Luft befeuchtet, bis sie die geforderten 85 bis 95 Prozent erreicht.

Womit
Ultraschall-Verdampfer mit eigenem Wassertank
Warum
So hohe Feuchte hält kein Raum von selbst. Die Befeuchtung steht ganz am Ende der Aufbereitung — käme sie vorher, würde der Feinfilter nass und wäre in kurzer Zeit unbrauchbar.

7. Fruchtungskammer

Über Rohre und Düsen verteilt sich die Luft im Gewölbe und streicht an den Regalen vorbei. Hier wachsen die Bio-Pilze.

Womit
Antibakterieller Luftschlauch, Lüftungsdüsen, Tellerventile
Warum
So steht im ganzen Raum dieselbe Luft an — und nicht warme Ecken oben und kalte unten.

8. Ventilator

Ein Ventilator zieht die verbrauchte Luft aus der Kammer ab.

Womit
Abluftventilator
Warum
Er hält den Luftwechsel in Gang, unabhängig von Wind und Wetter draußen. Ohne ihn stünde die Luft, sobald der Druck außen wechselt.

9. Abluftrohr und Auslasspunkt

Durch das Abluftrohr geht die Luft zum Auslasspunkt und ins Freie.

Womit
Abluftrohr, Auslass im Freien
Warum
Die Abluft ist mit Kohlendioxid und Sporen beladen. Sie geht nach draußen und wird nicht im Kreis geführt — es gibt keine Umluft in dieser Anlage.

Die Anlage auf einem Blatt

IM ERDREICH10 Rohre · je 22 m · rund 90 mmAnsaugpunktweit draußenLUFTAUFBEREITUNGFiltergrobKühlung + HeizungRegisterFeinfilterHEPA + UVBefeuchtungUltraschallFRUCHTUNGSKAMMER13–18 °C85–95 % Luftfeuchtepermanente FrischluftVentilatorAbluftrohr zum Auslasspunkt
Der Weg der Luft durch die Anlage, Stand August 2026 — schematisch, nicht maßstabsgetreu.

Was am besten funktioniert, ist das, was nichts braucht

Von allem, was in dieser Anlage verbaut ist, arbeitet ein Teil ohne Strom, ohne Regelung und ohne Wartung: die Rohre im Erdreich. Ein paar Meter unter der Oberfläche ändert sich die Temperatur über das Jahr kaum. Die Luft, die dort durchgeht, kommt im Sommer gekühlt und im Winter vorgewärmt an — ganz von selbst. Alles, was danach kommt, muss nur noch die Differenz ausgleichen.

Rohre
10
je Rohr
22 m
zusammen
220 m
Durchmesser
rund 90 mm
Baustelle am Hof: zehn grüne Wellrohre liegen im offenen Graben und laufen durch die Kellermauer ins Gebäude.E
Beim Verlegen: die zehn Rohre auf dem Weg vom Graben in den Keller.

Die Rohre wurden nachträglich verlegt — im Schema oben sind sie eingezeichnet.

Woher die Energie kommt

Was die Anlage braucht, soll möglichst am Hof entstehen. Drei Dinge tragen dazu bei:

Strom vom eigenen Dach
Am Hof steht eine Photovoltaikanlage. Sie versorgt Kühlung, Ventilatoren, Befeuchtung und Messtechnik, solange die Sonne scheint.
Wärme aus Hackgut
Geheizt wird mit einem Hackgutkessel. Dieselbe Anlage, die das Haus wärmt, versorgt über einen Wärmetauscher auch die Luft für die Zuchtkammern.
Der Boden, der nichts verlangt
Die Erdrohre nehmen der Luft im Sommer Wärme ab und geben ihr im Winter welche zurück, ohne dass dafür etwas eingeschaltet werden muss.

Was laufend gemessen wird

In jeder Kammer hängen Fühler für Temperatur, Luftfeuchte und Kohlendioxid. Die Werte laufen rund um die Uhr in eine Aufzeichnung am Hof, aus der sich auch Wochen später noch nachlesen lässt, wie eine Charge gefahren wurde. Weicht ein Wert ab, ist das nicht Gefühlssache, sondern steht in der Messreihe.

Sauberkeit ist Teil der Technik

  • Zwei Filterstufen und eine Entkeimung mit UV-Licht in der Zuluft.
  • Ein Gitter gegen Nagetiere im Vorraum, das wöchentlich kontrolliert wird; die Kontrolle wird schriftlich festgehalten — ein Prüfpunkt der Lebensmittel-Eigenkontrolle.
  • Wasch- und Desinfektionsmöglichkeit im Vorraum, Böden und Wände abwaschbar beschichtet.