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Der Werdegang

Die Natur kapieren und kopieren

Wie ein Pilz entsteht — im Freien und bei uns im Keller

Draußen — freie Natur

Der Zufall entscheidet.

Drinnen — im Mostkeller

Jeder Schritt ist gesetzt.

Nicht bei uns: Der Kräuterseitling wächst wild im Mittelmeerraum — nicht am Hof und nicht in heimischen Wäldern.

Ein Pilz ist mehr als das, was man erntet. Zuerst wächst im Verborgenen ein feines weißes Fadengeflecht — das Myzel. Es durchzieht eine Wurzel im Boden oder bei uns einen Substratblock im Regal und holt sich von dort seine Nahrung. Erst wenn es kräftig genug ist und die Bedingungen stimmen, schiebt es die Pilze nach oben, die man kennt und isst. Dieser Weg ist draußen und im Keller derselbe. Verschieden ist nur, wer ihn in Gang setzt: draußen entscheidet das Wetter, drinnen entscheiden wir.

Spore
Damit vermehrt sich ein Pilz. Eine Spore ist eine einzelne Zelle, mit freiem Auge nicht zu sehen. Ein reifer Pilz gibt Millionen davon ab, der Wind trägt sie fort — und aus den wenigen, die günstig landen, wächst neues Leben. Ein Samenkorn ist etwas anderes: das besteht aus vielen Zellen.
Myzel
Das eigentliche Lebewesen. Ein feines weißes Fadengeflecht, das im Boden, im Holz oder in einem Substratblock wächst und dort seine Nahrung holt. Man bekommt es kaum je zu sehen.
Fruchtkörper
Der Teil, den man sieht, erntet und isst — für den Pilz selbst nur das Mittel, um wieder Sporen zu bilden und freizugeben.
Substrat
Das Material, aus dem der Pilz lebt: in der Natur eine absterbende Wurzel, bei uns ein gepresster Block aus Stroh und Sägespänen im Regal.

1. Ursprung

Zeichnung: eine Mannstreu-Dolde, von der Sporen im Wind fortgetragen werden.G

Draußen

Eine Spore landet zufällig richtig

Auslöser
Wind, Standort, Glück

Eine einzelne Spore wird vom Wind fortgetragen und landet in der Nähe einer Mannstreu-Pflanze. Findet sie günstige Bedingungen, keimt sie und bildet feine weiße Pilzfäden.

Drinnen

Ein ausgewählter Klon wird angesetzt

Auslöser
Auswahl statt Zufall

Statt vom Zufall abhängig zu sein, steht am Anfang eine Reinkultur — siehe den Zuchttechnik-Einschub daneben.

Diese vier Schritte gibt es in der Natur nicht. Sie ersetzen unter kontrollierten Bedingungen, was dort dem Zufall unzähliger Sporen überlassen bleibt.

Zuchttechnik — nur drinnen

  1. Zeichnung: eine Nährboden-Schale mit einem angesetzten Klon.G1. ReinkulturEin genetisch identischer Klon eines ausgewählten Pilzes wird auf Nährboden angesetzt und unter sterilen Bedingungen vermehrt.
  2. Zeichnung: ein Gefäß mit Nährlösung, darin vermehrt sich das Myzel.G2. FlüssigmyzelDas Myzel wächst in einer Nährlösung weiter — so lässt es sich rasch vervielfachen.
  3. Zeichnung: ein Sack voller Getreidekörner, vom Myzel besiedelt.G3. KörnerbrutDas Myzel besiedelt sterilisierte Getreidekörner. Diese Zwischenstufe reicht aus, um damit viele Substratblöcke auf einmal zu beimpfen.
  4. Zeichnung: die Körnerbrut wird in den Substratblock eingebracht.G4. Substrat-BeimpfungDie Körnerbrut wird mit dem eigentlichen Fruchtungssubstrat vermischt.

2. Besiedelung

Zeichnung: eine Wurzel, umschlossen von feinen Pilzfäden, dem Myzel.G

Draußen

Das Myzel durchwächst die Wurzel

Auslöser
So lange, wie die Wurzel hergibt

Das Myzel durchwächst die Wurzel der Mannstreu-Pflanze und beschleunigt aktiv deren Absterben.

Drinnen

Das Myzel durchwächst den Block

Dauer
einige Wochen
Auslöser
Substrat und Temperatur

Das Myzel durchwächst den Substratblock vollständig. Je nach Substrat und Bedingungen dauert diese Inkubation einige Wochen.

3. Fruchtkörperbildung

Zeichnung: junge Pilze wachsen nach Regen aus dem Boden.G

Draußen

Nach Regen kommen die ersten Pilze

Dauer
wenige Wochen nach dem Regen
Auslöser
Regen, meist im Herbst

Nach ergiebigem Regen, meist im Herbst, seltener im Frühjahr, bilden sich innerhalb weniger Wochen die ersten Fruchtkörper.

Drinnen

Die Fruchtung wird ausgelöst

Auslöser
Frischluft, Licht, Temperaturwechsel

Frischluft, Licht und ein Temperaturwechsel lösen die Fruchtung aus.

4. Ende des Wegs

Zeichnung: ein reifer Pilz gibt Sporen frei, der Kreislauf beginnt neu.G

Draußen

Der Pilz gibt Sporen frei

Auslöser
Der Kreislauf beginnt von vorn

Der reife Pilz gibt neue Sporen frei, die der Wind weiterträgt — der Kreislauf beginnt von vorn.

Drinnen

Geerntet, bevor Sporen fliegen

Auslöser
Der richtige Tag, nicht das Wetter

Geerntet, bevor er Sporen freisetzt — für den Verkauf.

Woher der Gedanke kommt

Der österreichische Förster und Wasserforscher Viktor Schauberger (1885–1958) fasste sein Lebenswerk in einen Satz: die Natur muss man zuerst kapieren, dann kann man sie kopieren. Er selbst nannte das sein „k & k-Prinzip“. Diese Seite versucht genau das — sie stellt nebeneinander, wie ein Kräuterseitling in freier Natur wächst und wie er in kontrollierter Kultur wächst. Mehr über Viktor Schauberger.

Der Kräuterseitling ist bei uns kein Waldpilz. In freier Natur wächst er wild im Mittelmeerraum, in Nordafrika und in Teilen Westasiens — von Spanien und Italien bis nach Zentralasien. Dort befällt er die Wurzeln von Mannstreu-Arten (Eryngium), einem Doldenblütler der Steppen und Trockenrasen, und beschleunigt aktiv deren Absterben. Im deutschsprachigen Raum ist er extrem selten und in Deutschland als vom Aussterben bedroht eingestuft — dieser Pilz wächst nicht wild am Hof und nicht in heimischen Wäldern.

Temperatur
15,0°C
Luftfeuchte
89% rF
Kohlendioxid
500–1200ppm

So sieht das bei uns am Hof aus — die Sollwerte der Kammern.